Menschenkette gegen die Stromtrasse in Bledeln, „Wir sagen ja zur Energiewende, wollen aber innovative Lösungen.“

Bledeln (pr) –

Matthias Brinkmann braucht an diesem Tag eine gute Kondition. Immer wieder ist der Mann aus Lühnde mit seinem Fahrrad in der Feldmark unterwegs, um zu sehen, ob die Menschenkette zwischen Bledeln und Lühnde nun endlich komplett ist: „Das sieht phantastisch aus“, sagt Brinkmann, als er seine Tour zum letzten Mal abgeradelt ist. Sie haben es tatsächlich geschafft: Zwischen den beiden Dörfern stehen mehr als 200 Frauen und Männer entlang des Flatterbandes, das die geplante Stromtrasse symbolisieren soll. Die Leitung soll die Ballungsgebiete im Westen und Süden der Republik mit Strom von der Nordsee versorgen, aber hier in Bledeln sehen die Menschen ihre Zukunft verbaut: „Wir sind dann eingekesselt“, sagt Oliver Franke von der Bürgerinitiative „SuedLink Algermissen.“

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Foto HAZ.
Franke steht auf dem Osterberg, wo Spaziergänger bei klarer Sicht einen schönen Blick auf den Brocken haben. Aber von hier oben ist noch etwas anderes zu sehen: Zwei Windparks, zwei Stromtrassen und die Autobahn A 7. Wenn jetzt noch die geplante Stromleitung mit ihren bis zu 80 Meter hohen Masten kommen sollte, wäre Bledeln aus allen vier Himmelsrichtungen eingekreist. Nicht ein neues Haus könnte mehr gebaut werden, fürchtet die BI.
Doch das wollen die 700 Einwohner um jeden Preis verhindern – mit allen juristischen Mitteln: „Wir akzeptieren ja schon eine Menge, aber jetzt werden Grenzen überschritten“, sagt der BI-Sprecher.

Für einen möglichen Rechtsstreit fühlen sich die Menschen in Bledeln gut gerüstet, sehen sogar das Grundgesetz auf ihrer Seite. Denn für die Flächennutzung- und Bauleitplanung sind in Deutschland die Kommunen zuständig: „Und bei uns will der Netzbetreiber Tennet ins Bauplanungsrecht eingreifen. Das verstößt gegen den Artikel 28 “, sagt Fanke. Fachjuristen würden bereits den „Sonderfall Bledeln“ prüfen.

Dass neue Stromtrassen in der Nähe von bereits vorhandenen Leitungen gebaut werden, findet Franke im Grundsatz richtig. Hier aber stoße diese Bündelung an ihre Grenzen: „Wir sagen ja zur Energiewende, wollen aber innovative Lösungen.“ Zum Beispiel durch eine unterirdische Teilverkabelung.
So schlägt die Bürgerinitiative ein Erdkabel vor der Ortschaft vor, das im Westen an Bledeln vorbeigeleitet werden könnte. Dazu müsste keine Straße, kein Kanal unterhöhlt werden, weil diese Variante lediglich Ackerland in Anspruch nehme. Das sei zwar teurer, verkürze die 500-KV-Leitung aber um rund vier Kilometer.

Wenn Tennet seine Unterlagen bei der Bundesnetzagentur vorgestellt hat, will die BI ihre Kritik gemeinsam mit der Gemeinde Algermissen vorbringen. Das könnte schon sehr bald der Fall sein, denn spätestens 2018 / 2019 müsste die Leitung gebaut werden, um im Jahr 2022 tatsächlich sämtliche Kernkraftwerke abschalten zu können: „Tennet muss wissen, dass es hier konkreten Widerstand gibt“, sagt Oliver Franke und reiht sich in die Menschenkette zwischen Lühnde und Bledeln ein.

http://www.hildesheimer-allgemeine.de/news/article/menschenkette-gegen-die-stromtrasse.htmldi

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Veröffentlicht in SuedLink

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