Wo alle Strom-Autobahnen einmal in Erdkabeln enden… 06.08.2013

Wanderungen an der Trasse.

Auf der sechsten und letzten Etappe geht es am Umspannwerk vorbei in das Nordasseler Holz.

Der Mitarbeiter von Eon-Avacon Netz schaut ein wenig skeptisch, als ich mich selbst vor dem kleinen Umspannwerk in Nettlingen ablichte. „Das ist aber nur eine 110-kV- Leitung“, erklärt mir der Techniker. Und sein Unternehmen sei nur für das Umspannwerk verantwortlich. Ich weiß, für die weiten Transportwege des Stroms sorgt die Firma Tennet. In Nettlingen wollte ich einen Eindruck von der Technik gewinnen, mit der Strom über weite Strecken transportiert wird. Wo die Leistung soweit herunter transformiert wird, dass es in Erdkabeln zu den Verbrauchern geht.

Außerdem hatte der Burgdorfer Gemeinderat vorgeschlagen, parallel zu dieser kleineren Leitung vom ungleich größeren Umspannwerk Wahle kommend, die 380-kV- Höchstspannungsleitung an Nettlingen vorbei in Richtung Süden zu führen. „Wir haben uns auch Gedanken gemacht, auf dieser Route wird unser Gemeindegebiet am wenigsten berührt“, hatte Bürgermeister Heinz Heusmann im SZ-Gespräch gesagt. Das wäre die erste Alternative des Gemeinderats gewesen – nach der Erdverkabelung wohlgemerkt, für die sich das Gremium einstimmig ausgesprochen hatte. Inzwischen ist diese Trassenvariante zwar sowohl vom Umwelt-Ministerium als auch vom Netzbetreiber verworfen. Aber der Ratsbeschluss weckte bekanntlich den Widerstand in Nordassel und von da aus in den anderen Orten der Gemeinde. Darum erwanderte ich sie mir dennoch. Angesichts der zahlreichen Wendungen im Genehmigungsverfahren kann man ja nie wissen. Vom Waldweg in Nordassel aus geht es durch das Asseler Holz, Radwegweiser mit Samtgemeinde-Wappen erleichtern die Orientierung. Solche Hilfen fehlen Planern, Politikern, Protestlern. Von denen glaubt jeder, den rechten Pfad beschritten zu haben.

Das Planfeststellungsverfahren kann im Idealfall alle wieder zusammenbringen, so wie die Straße zwischen Luttrum und Hohenassel, auf der ich jetzt marschiere. Welche Abzweigung wird die Genehmigungsbehörde in Hannover nehmen, schafft sie am Ende doch einen Konsens? Ich persönlich fürchte, dass der weitere Weg ebenso steinig wie der weiße wird, den ich jetzt einschlage. Und ebenso mühselig wie die Steigung hoch zum Luttrumer Kalksteinbruch. Oben, auf der kleinen Passhöhe, muss ich verschnaufen. Um noch einmal mein Trassen-Genehmigungs-Gleichnis zu bemühen: Ich hoffe, dass am Ende alle so einen Überblick haben, um eine Lösung zu finden. Von hier oben sehe ich große Teile meiner Wanderrouten. Aber auch Windräder und Solaranlagen, deren Energie transportiert werden muss. Und Menschen, die Strom brauchen. Werden in vielleicht fünf Jahren die Megamasten auftauchen und das Landschaftsbild prägen?

Oder verhandeln da noch die Verwaltungsgerichte? Noch schlimmer aber sind die Narben, die der Streit um die beste Lösung in den Dörfern hinterlassen könnte. Wenn sich zumindest das vermeiden ließe, ginge ich gern weiter auf Wanderschaft.

http://www.braunschweiger-zeitung.de/region/salzgitter/umland/wo-alle-strom-autobahnen-einmal-in-erdkabeln-enden- id1103806.html

 

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Veröffentlicht in Archiv 2013

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